Der Kirchturm von St. Bonifatius wird erneuert

Fest gemauert in der Erden
Steht die Form aus Lehm gebrannt.
Heute muß die Glocke werden!
Frisch, Gesellen, seid zur Hand!
Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben;
Doch der Segen kommt von oben.

Mit den ersten Zeilen von Schillers Gedicht „Das Lied von der Glocke!“ möchte ich sie einstimmen auf ein Projekt, dem sich der Verwaltungsrat und vielen Fachstellen bereits seit fast 2 Jahren widmet, der Sanierung des Kirchturms von St. Bonifatius.
Unsere Kirche St. Bonifatius ist architektonisch „etwas Besonderes“, wie in Wikipedia nachzulesen ist: Die nach Entwürfen von Martin Weber im Stil des Backsteinexpressionismus erbaute Kirche wurde 1927 geweiht. Über dem Altarraum befindet sich ein Achteckturm (= der Glockenturm). Der Hauptsaal hat ein tonnenförmiges Gewölbe. Bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche 1948 schwer getroffen und später die Schäden beseitigt.
Aufgrund festgestellter Schäden und abfallender Backsteinteile, musste 70 Jahre später der Gesamtzustand des Kirchturms der Kirche St. Bonifatius erfasst werden. In einem Gutachten wurde dabei festgestellt, das teilweise das Tragwerk aus Stahlbeton, das Verblendmauerwerk und Teile der Stahlkonstruktion des Turms so stark geschädigt sind (auch als Folge der Reparaturen der Kriegsschäden), dass eine umfassende Sanierung notwendig ist. Absturzgefährdete Bauteile wurden direkt entfernt bzw. gesichert und ein Schutzdach im direkten Umkreis des Kirchturms aufgebaut. Für die Sanierung ist es notwendig, den Turm komplett mit einem Arbeitsgerüst zu umbauen. Die Arbeiten werden hauptsächlich im Bereich der Glockenstube und des Turmdachs ausgeführt.
Sie können sich vorstellen, dass die Sanierung des Kirchturms als Teil unserer denkmalgeschützten Kirche sich als technisch und handwerklich herausfordernde Maßnahme darstellt, die nur in der Zusammenarbeit diverser Stellen erfolgreich ausgeführt werden kann. Bischöfliches Ordinariat (Bau- und Finanzdezernat), Denkmalschutz, städtische Baubehörden und anhängende Fachbereiche, Architekten, Ingenieure, Fachhandwerker, Verwaltungsrat sind seitdem mit Ausschreibungen, Finanzierungs- und Ausführungsfragen immer wieder befasst. Das Volumen der notwendigen Arbeiten und zu erbringenden finanziellen Mittel (im mehrfachen sechsstelligen Bereich) stellt dabei alle immer wieder vor Herausforderungen, denen sie sich motiviert und engagiert stellen, denn es gibt keine andere Option, als die Sanierung.
Corona hat in den letzten Wochen dazu geführt, dass die ersten Planungen bereits angepasst und verschoben werden mussten. So wurde – unerwartet Anfang Juni – die Genehmigung für die Gestellung des notwendigen Gerüst um den Kirchturm erteilt, mit der Folge, das ab 15.06.2020 die Maßnahmen beginnen. Beeinträchtigungen für die nähere Nachbarschaft sind leider aufgrund der bautechnisch anspruchsvollen Arbeiten in der Höhe unvermeidbar. Sofern Voruntersuchungen, fortschreitende Arbeiten und verantwortliche Gewerke nicht durch unerwartete unerfreulichen Feststellungen zu zusätzlich zu ergreifenden Maßnahmen führen, gehen wir aktuell von einer Dauer von mind. 12 Monaten aus.
Am Ende der Kirchturmsanierung werden keine optischen, wesentlichen Veränderungen an unserem Kirchturm erkennbar sein. Wir bemühen uns dennoch, neben dem faktischen Notwendigen dennoch auch den Geist der letzten Zeilen von Schillers Gedicht in unsere Arbeit einfließen zu lassen.
Jetzo mit der Kraft des Stranges
Wiegt die Glock’ mir aus der Gruft,
Daß sie in das Reich des Klanges
Steige, in die Himmelsluft!
Ziehet, ziehet, hebt!
Sie bewegt sich, schwebt.
Freude dieser Stadt bedeute,
Friede sei ihr erst Geläute.

Freuen wir uns schon jetzt darauf, unseren Glauben dann wieder weithin klingen und sehen zu lassen.

Annette Gause

Stv. Verwaltungsratsvorsitzende