< zur Blogübersicht

Neue Verfassung für Limburg

 

Mehr Mitbestimmung, Geschlechtergerechtigkeit, Machtkontrolle. Das neue Bistumsstatut hat's in sich!

Zum 01.01.2023 ist das neue „Bistumsstatut“ für das Bistum Limburg inkraft getreten. Das Bistum hat sich damit eine neue Verfassung gegeben, die viele Änderungen mit sich bringen wird. Das neue Statut ist das Ergebnis des mehrjährigen „Transformationsprozesses“. Unser Pfarrer Werner Otto, der der vierköpfigen Steuerungsgruppe des „Trafo-Prozesses“ angehörte, erklärt, was sich ändert.  

Das Transformationsprogramm wurde gestartet, um das Bistum Limburg zukunftsfähig zu machen, damit die Kirche ihren Auftrag in der Gesellschaft künftig erfüllen kann. Was ist dazu nötig? Vor dem Hintergrund der in den erschreckenden Fällen sexualisierter Gewalt und ihrer Vertuschung gründenden Vertrauenskrise liegt eine Notwendigkeit glasklar auf der Hand: die Umsetzung der Erkenntnisse des Limburger MHG-Projekts (Aufarbeitungsprojekt für die Fälle sexualisierter Gewalt). Für eine Neuordnung der Leitungsstrukturen bedeutet dies: wirksamere Kontrolle des Leitungshandelns sowie bestmögliche Realisierung des Prinzips der Gewaltenteilung, insbesondere durch Stärkung der Kompetenzen der gewählten Gremien. Allerdings erreicht man Zukunftsfähigkeit nicht allein durch Strukturanpassungen. Es braucht vielmehr einen Kulturwandel. Um diesem Wandel eine Richtung zu geben, wurden im Transformationsprogramm Leitlinien entwickelt, die auch für das neue Leitungsverständnis maßgeblich sind: Leitung hat sich an dem auszurichten, was Ehren- und Hauptamtliche in den verschiedenen Einrichtungen und Pfarreien brauchen. Leitung soll grundsätzlich im Team wahrgenommen werden und sich am Prinzip der Subsidiarität orientieren.

Das Transformationsprogramm war von Anfang an so angelegt, dass sich diese Ziele nicht erst am Ende einstellen, sondern bereits im Prozess abbilden. Bischof Georg hat deshalb die die Verantwortung für die Phase 2 des Trafo-Programms in die Hände der vier Bistumsgremien (Dezernentenkonferenz, Plenarkonferenz, Priesterrat, Diözesansynodalrat) gelegt. Diese haben für die Prozesssteuerung eine vierköpfige Steuerungsgruppe berufen. Außerdem haben sich die Gremien im Rahmen von gemeinsamen Klausurtagen über die wesentlichen, auch kniffligen Fragen offen ausgetauscht und dazu Richtungsentscheidungen getroffen.

Eine zentrale Reform, die mit dem Jahreswechsel inkraft getreten ist, betrifft die Arbeit der Pfarreien und Einrichtungen in der Fläche des Bistums ganz unmittelbar: Aus 11 Bezirken werden 5 Regionen. Innerhalb der Regionen wird es eine verbindliche Zusammenarbeit der Pfarreien, Gemeinden von Katholiken anderer Muttersprache und der kategorialen Einrichtungen geben. In jeder Region wird ein Regionalrat gebildet, der wiederum eine zweiköpfige Regionalleitung wählt. Damit diese wirksam handeln kann, wird sie mit einem Beschäftigungsumfang von mindestens 150% ausgestattet. Die Regionalleitung führt regelmäßig Dienstgespräche mit den Pfarrern und Leiterinnen der Einrichtungen. In Frankfurter hat der Stadtsynodalrat bereits Frau Pastoralreferentin Pia-Arnold-Rammé und Herrn Stadtdekan Dr. Johannes zu Eltz zur vorläufigen Regionalleitung gewählt.

Eine nicht zu unterschätzende Neuerung wird darin bestehen, dass die Regionen künftig in der Leitungsetage des Bistums mitentscheiden dürfen. Dafür steht insbesondere die Einsetzung eines Bistumsteams, in dem Bereichsleitungen (bislang: Dezernenten) und Regionalleitungen gleichgewichtig vertreten sind. Das Bistumsteam ist das höchste kuriale Leitungsorgan der Diözese und macht Rahmenvorgaben für die Arbeit und die Zuständigkeiten aller Organe und Konferenzen des Bischöflichen Ordinariats. Alle grundlegenden Fragen werden im Bistumsteam gemeinsam beraten und entschieden. Seine Beschlüsse bedürfen der Zustimmung des Bischofs, dessen Leitungsvollmacht damit gewahrt bleibt. Die Einsetzung des Teams  markiert einen echten Kulturwandel: Leitung wird künftig gemeinsam wahrgenommen und unter wirksamer Beteiligung von Personen, die mit der Situation der vor Ort Handelnden vertraut sind. Auch für die wichtigsten Leitungsfunktionen gilt künftig Teamplaying: Jede Bereichs- und Regionalleitung besteht aus einer Doppelspitze. Der Generalvikar trifft Leitungsentscheidungen künftig im Tandem mit einer „Bischöflichen Beauftragten“.

Komplettiert wird das neue Leitungsverständnis durch eine deutliche Aufwertung des Diözesansynodalrats, der eine Aufsichtsfunktion über das Bistumsteam erhalten soll Wie das genau gehen soll, wird in den nächsten Monaten noch erarbeitet. Bischof Georg hat zugesagt, den DSR von einem Beratungs- zu einem Entscheidungsgremium aufzuwerten, indem er sich an die Beschlüsse des Gremiums bindet. Damit kommen im Bistum Limburg jetzt schon die Standards für die gemeinsame Leitungsverantwortung von Bischof und Synodalem Rat zur Anwendung, die auf dem Synodalen Weg zur Beschlussfassung anstehen.

Zum 01.01.2023 hat Bischof Georg Bätzing das vorläufige Bistumsteam berufen. Auch wenn noch nicht alle Funktionen besetzt sind, kann das Team seine Arbeit aufnehmen. Frau Pia Arnold-Rammé wird die neue Region Frankfurt im Bistumsteam vertreten.

Die Inkraftsetzung des Statuts bildet den Startschuss für die Neuaufstellung des Bischöflichen Ordinariats. Die Behörde mit ihren vielen Abteilungen und Mitarbeitenden muss nun Schritt für Schritt an das neue Statut angepasst werden.

Durch die neue Struktur gelingt es im Sinne der MHG-Perspektive, Leitungsverantwortung im Bistum Limburg künftig wirksamer als bisher zu kontrollieren. Es geht aber um mehr: Ein Plus an Partizipation, Teamarbeit und Orientierung an der Frage „Was brauchst du?“ bedeutet auch ein Plus an Qualität der Arbeit und an Zufriedenheit der beteiligten Ehren- und Hauptamtlichen. So kann das Bistum zukunftsfähig werden.

 

Hier finden Sie einen weiterführenden Artikel auf der Website des Bistums über die Berufung des neuen Bistumsteams.